Friedrich Schiller
Thekla: Eine Geisterstimme, D. 73
Wo ich sei, und wo mich hingewendet
Als mein flücht'ger Schatte dir entschwebt?
Hab' ich nicht beschlossen und geendet
Hab' ich nicht geliebet und gelebt?

Willst du nach den Nachtigallen fragen
Die mit seelenvoller Melodie
Dich entzückten in des Lenzes Tagen?
Nur so lang sie liebten, waren sie

Ob ich den Verlorenen gefunden?
Glaube mir, ich bin mit ihm vereint
Wo sich nicht mehr trennt, was sich verbunden
Dort wo keine Thräne wird geweint

Dorten wirst auch du uns wieder finden
Wenn dein Lieben unserm Lieben gleicht
Dort ist auch der Vater frei von Sünden
Den der blut'ge Mord nicht mehr erreicht

Und er fühlt, daß ihn kein Wahn betrogen
Als er aufwärts zu den Sternen sah
Denn wie jeder wägt, wird ihm gewogen
Wer es glaubt, dem ist das Heil'ge nah

Wort gehalten wird in jenen Räumen
Jedem schönen gläubigen Gefühl
Wage du, zu irren und zu träumen
Hoher Sinn liegt oft im kind'schen Spiel