Franz Schubert
Der Kampf, D. 594
Nein, länger werd' ich diesen Kampf nicht kämpfen
Den Riesenkampf der Pflicht
Kannst du des Herzens Flammentrieb nicht dämpfen
So fordre, Tugend, dieses Opfer nicht
Geschworen hab ich's, ja ich hab's geschworen
Mich selbst zu bändigen
Hier ist dein Kranz, er sey auf ewig mir verloren
Nimm ihn zurück und laß mich sündigen
Zerrissen sey, was wir bedungen haben
Sie liebt mich - deine Krone sey verscherzt
Glückselig, wer in Wonnetrunkenheit begraben
So leicht wie ich den tiefen Fall verschmerzt
Sie sieht den Wurm an meiner Jugend Blume nagen
Und meinen Lenz entflohn
Bewundert still mein heldenmüthiges Entsagen
Und großmuthsvoll beschließt sie meinen Lohn
Mistraue, schöne Seele, dieser Engelgüte
Dein Mitleid waffnet zum Verbrechen mich
Giebt's in des Lebens unermeßlichem Gebiete
Giebt's einen andern schönern Lohn als dich?
Als das Verbrechen, das ich ewig fliehen wollte?
Tyrannisches Geschick!
Der einz'ge Lohn, der meine Tugend krönen sollte
Ist meiner Tugend letzter Augenblick!