Franz Schubert
Im Walde, D. 834
Ich wandre über Berg und Thal
Und über grüne Haiden
Und mit mir wandert meine Qual
Will nimmer von mir scheiden;
Und schifft' ich auch durch’s weite Meer
Sie käm' auch dort wohl hinterher

Wohl blühn viel Blumen auf der Flur
Die hab' ich nicht gesehen
Denn Eine Blume seh’ ich nur
Auf allen Wegen stehen
Nach ihr hab' ich mich oft gebückt
Und doch sie nimmer abgepflückt

Die Bienen summen durch das Gras
Und hängen an den Blüthen;
Das macht mein Auge trüb' und naß
Ich kann mir's nicht verbieten
Ihr süßen Lippen, roth und weich
Wohl hing ich nimmer so an euch!

Gar lieblich singen nah' und fern
Die Vögel auf den Zweigen;
Wohl säng' ich mit den Vögeln gern
Doch muß ich traurig schweigen
Denn Liebeslust und Liebespein
Die bleiben jedes gern allein
Am Himmel seh' ich flügelschnell
Die Wolken weiter ziehen
Die Welle rieselt leicht und hell
Muß immer nahn und fliehen;
Doch haschen, wenn's vom Winde ruht
Sich Wolk’ und Wolke, Fluth und Fluth

Ich wandre hin, ich wandre her
Bey Sturm und heitern Tagen
Und doch erschau’ ich's nimmermehr
Und kann es nicht erjagen
O Liebessehnen, Liebesqual
Wann ruht der Wanderer einmal?