Franz Schubert
Das Weinen, D. 926
Gar tröstlich kommt geronnen
Der Thränen heil'ger Quell
Recht wie ein Heilungs-Bronnen
So bitter, heiß und hell
Darum du Brust voll Wunden
Voll Gram und stiller Pein
Und willst du bald gesunden
So tauche da hinein

Es wohnt in diesen Wellen
Geheime Wunderkraft
Die ist für wehe Stellen
Ein linder Balsamsaft
Die wächst mit deinen Schmerzen
Und fasset, hеbt und rollt
Den bösen Stein vom Hеrzen
Der dich zerdrücken wollt'

Das hab' ich selbst empfunden
Hier in dem Trauerland
Wenn ich, vom Flor umwunden
An lieben Gräbern stand
Da schalt in irrem Wähnen
Ich selbst auf meinen Gott
Es hielten nur die Thränen
Der Hoffnung Schiffchen flott
Drum, hält dich auch umfangen
Der Schwermuth trübste Nacht
Vertrau' in allem Bangen
Der Thränen Zaubermacht
Bald, wenn vom heißen Weinen
Dir roth das Auge glüht
Wird neu der Tag erscheinen;
Weil schon der Morgen blüht