Franz Schubert
Alinde, D. 904
Die Sonne sinkt ins tiefe Meer
Da wollte sie kommen
Geruhig trabt der Schnitter einher
Mir ist's beklommen
Hast, Schnitter, mein Liebchen nicht gesehn?
Alinde! Alinde! -
»Zu Weib und Kindern muß ich gehn
Kann nicht nach andern Dirnen sehn;
Sie warten mein unter der Linde.« -

Der Mond betritt die Himmelsbahn
Noch will sie nicht kommen
Dort legt der Fischer das Fahrzeug an
Mir ist's beklommen
Hast, Fischer, mein Liebchen nicht gesehn?
Alinde! Alinde! -
»Muß suchen, wie mir die Reußen stehn
Hab' nimmer Zeit nach Jungfern zu gehn
Schau, welch einen Fang ich finde!«

Die lichten Sterne ziehn herauf
Noch will sie nicht kommen
Dort eilt der Jäger in rüstigem Lauf:
Mir ist's beklommen
Hast, Jäger, mein Liebchen nicht gesehn?
Alinde! Alinde! -
»Muß nach dem bräunlichen Rehbock gehn
Hab nimmer Lust nach Mädeln zu sehn:
Dort schleicht er im Abendwinde!« -
In schwarzer Nacht steht hier der Hain;
Noch will sie nicht kommen
Von allen Lebendgen irr' ich allein
Bang' und beklommen
Dir, Echo, darf ich mein Leid gestehn:
Alinde - »Alinde,«
Ließ Echo leise herüberwehn;
Da sah' ich sie mir zur Seite stehn:
»Du suchtest so treu: nun finde!« -